DASS

500 Wohnungen auf dem Dragonerareal / Rathausblock

re / 09.06.20

Bevor überhaupt ein Beteilgungsverfahren zum Dragonerareal/Rathausblock begann, geisterte die Zahl von 500 zu bauenden Wohnungen durch das Verfahren.

Diese Zahl entstand durch „grobe Einschätzung anhand flächenbezogener Richtwerte“ (s.u.).

Auch ein „Städtebauliches Werkstattverfahren“ hatte nicht die Aufgabe zu untersuchen, wieviele Wohnungen auf dem Areal, neben Gewerbe, Kultur und Sozialen, Freiräumen etc. gebaut werden können, sondern 500 Wohnungen waren die Vorgabe, die unterzubringen waren.

Vor dem Hintergrund des anhaltend starken Bevölkerungswachstums in Berlin wurde ein Wohnbauflächen-Informationssystems (WoFIS) aufgebaut, welches als Planungs- und Arbeitsinstrument für die öffentliche Verwaltung sowie als Informationsplattform für Wohnungsmarktakteure dienen sollte.
„Mithilfe des WoFIS soll künftig eine bedarfsorientierte, langfristige Steuerung des Wohnungsneubauprozesses im Sinne einer „Baulandbereitstellungsstrategie“ unterstützt werden.“
Hauptnutzer des WoFIS sind die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (SenStadtUm) sowie die Stadtentwicklungsämter der 12 Berliner Bezirke – aber nicht die Öffentlichkeit. Vielleicht ist das auch gut um keine Spekulation zu befeuern.

„Erfassung der WoFIS-Flächen
Eine Ersterfassung der Flächen, die in das WoFIS aufgenommen werden sollen, erfolgte durch die SenStadtUm. Dazu wurden verschiedene konzeptionelle Quellen (bezirkliche Konzepte, Planwerk Innere Stadt, Baulückenmanagement, StEP Wohnen, Flächenmonitoring etc.) ausgewertet und ergänzende Recherchen (Luftbildauswertungen, Internetportale zum Wohnungsneubau etc.) durchgeführt. Zu diesen Flächen erfolgte eine Abstimmung mit den 12 Bezirken hinsichtlich

• der räumlichen Abgrenzung der Flächen,
• der Zahl der realisierbaren Wohneinheiten (auf Basis vorliegender Konzepte oder grobe Einschätzung anhand flächenbezogener Richtwerte),
• der zeitlichen Realisierbarkeit (in Realisierung/kurz-, mittel- oder langfristige Potenzialflächen/perspektivische Potenzialflächen mit Klärungsbedarf).
Die Daten wurden zunächst in Ergebnisplänen und Tabellen aufbereitet, die um weitere Daten ergänzt und später in das WoFIS eingespeist werden.“

siehe:
Aufbau des WohnbauflächenInformationssystems (WoFIS) Berlin
https://slub.qucosa.de/api/qucosa%3A7550/attachment/ATT-0/

siehe auch: https://www.berliner-woche.de/kreuzberg/c-bauen/bezirksamt-hat-probleme-mit-der-entwurfsplanung-fuer-das-dragonerareal_a275548

Präsentation des Denkmalpflegeplans Rathausblock Dragonerareal

re / 10.03.20

„Zur Erhaltung eines Denkmals gehört die Bewahrung eines seinem Maßstab entsprechenden Rahmens. Wenn die überlieferte Umgebung noch vorhanden ist, muss sie erhalten werden, und es verbietet sich jede neue Baumaßnahme, jede Zerstörung, jede Umgestaltung, die das Zusammenwirken von Bauvolumen und Farbigkeit verändern könnte.“ Artikel 6 Charta von Venedig

Nachdem das städtebauliche Werkstattverfahren im Sanierungsgebiet Rathausblock Dragonerareal, mit der Entscheidung für den Entwurf des Büros SMAQ mit Man Made Land, schon vorbei ist, wird jetzt erst ein Denkmalpflegeplan vorgestellt.

Die Frage ist, ob der Entwurf von SMAQ angemessenen mit dem Denkmalbestand umgeht und die Abrisspläne und geplanten Neubauten denkmalverträglich umgesetzt werden können.
SMAQ | ManMadeLand | Barbara Schindler

Zum Beipiel soll die Beschlagschmiede von 1899 abgerissen werden, obwohl der Denkmalschutz es für ein erhaltenswertes Gebäude erachtet.
Beschlagschmiede

Ziel sollte doch sein, dass das Ensemble in seiner historischen Struktur erlebbar bleibt.
„Bei einem Ensemble handelt es sich um eine bauliche Gruppe, die aufgrund ihres Zusammenwirkens als erhaltungswürdig erachtet wird und geschützt werden soll. Einzelne Gebäude bilden gemeinsam ein Kulturdenkmal. Dabei müssen sie nicht oder zumindest nicht alle Einzeldenkmale sein.“
https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2016/4/ensembleschutz.php

Sonder-AG Geschichte des Ortes – Präsentation Denkmalpflegeplan
Rathaus Yorckstraße
Yorkstraße 4 – 11

19.03.2020 um 17:00 – 19:00 Uhr

update 13.03.20
Aus „Vorsorgemaßnahme zur Minimierung eines Ansteckungsrisikos mit dem Coronavirus“ wurde die öffentliche Präsentation des Denkmalpflegeplans ABGESAGT.

Städtebaulicher Wettbewerb – warum müssen Architekturvisualisierungen immer die Wirklichkeit beschönigen ?

re / 09.04.20

Obwohl zur Zeit alle Formate des öffentlichen Beteiligungsverfahren auf unbestimmte Zeit verschoben sind, gehen die Planungen wohl fast ungehindert weiter.
Quelle: https://www.berlin.de/rathausblock-fk

Die Überarbeitung ‚Arbeitspaket 1 Stand: 3. April 2020‘ des gekürten Entwurfes von SMAQ titelt mit diesen Bild.
SMAQ | ManMadeLand | Barbara Schindler Arbeitspaket 1 Stand: 3. April 2020

Der Entwurf von SMAQ sieht vor, dass in Zukunft der Autowerkstätten-Verkehr, der Lieferverkehr für Gewerbe und für 500 Wohnungen nebst 200 Tiefgaragenplätze der zukünftigen Bewohner*innen allein über die Ecke Mehringdamm Obentrautstrasse erfolgen soll.
Zur Zeit, und noch ohne Wohnbebauung, gibt es vier Zufahrten auf das Gelände.
SMAQ | ManMadeLand | Barbara Schindler

Trotzdem zeigt die Viualisierung auf der Titelseite die Ecke voll mit Bäumen, spielenden Kindern und Fußgängern.

Im Modellprojekt Rathausblock Kreuzberg sollten doch keine Emotionen und wirklichkeitsferne architektonische Visionen verkauft werden. Oder doch ?

 

Das Dragonerareal von oben

“Es gibt wenige Quartiere in Berlin, über die mehr diskutiert wurde und diskutiert werden wird als über das Dragoner Areal in Kreuzberg. Das liegt auch an den extrem engagierten und mit ihrem Engagement erfolgreichen Akteuren aus der Zivilgesellschaft. Es liegt aber auch an der immensen Komplexität dieses relativ kleinen Stücks Stadt.”
https://www.burgdorffstadt.de/komplexe-quartiere-brauchen-gute-partner-so-auch-auf-dem-dragoner-areal-in-berlin/

Das Dragonerareal fungiert als eine Art Wunschmaschine für die unterschiedlichsten Interessen – und viele propagieren im Interesse des Gemeinwohls zu handeln.

Ob die Aushandlung der Interessen in einem transparenten hierarchiefreien und ergebnisoffenen Prozess stattfindet, in dem die Bestandsmieter, die Anwohner*innen, Nachbarschaft und Stadtgesellschaft einbezogen sind wird sich zeigen.

Vor allem steht die Frage: was ist überhaupt verhandelbar, was ist bevor ein “Beteiligungsprozess” überhaupt beginnt durch Politik und Verwaltung schon gesetzt.

Das Dragonerareal von oben – letzte Woche auf youtube veröffentlicht:

dragonerareal_von_oben.jpg

siehe auch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinwohl

http://foto.diskurse.net/dragonerareal-berlin-kreuzberg/

Studie zum baukulturellem Erbe des Dragonerareals:
https://www.berlin.de/rathausblock-fk/projekte/geschichte/artikel.768849.php

2018-12-20

zu erst veröffentlicht ; https://web.archive.org/web/20190301124152/http://auguststrasse-berlin-mitte.de/